{"id":1674,"date":"2022-03-07T03:06:32","date_gmt":"2022-03-07T03:06:32","guid":{"rendered":"http:\/\/die-erle.de\/?p=1674"},"modified":"2022-03-07T04:03:31","modified_gmt":"2022-03-07T04:03:31","slug":"was-macht-der-krieg-mit-uns","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/die-erle.de\/?p=1674","title":{"rendered":"Was macht der Krieg mit uns?"},"content":{"rendered":"\n<p>Wir sind Zuschauer einer Entwicklung, die f\u00fcr die meisten Menschen unvorstellbar war. Die Weltgemeinschaft muss auf das Handeln eines Einzelnen, eines wahnhaft Besessenen reagieren. Wir erleben Politiker, die sich heute windend von erst gestern verk\u00fcndeten Weltbildern verabschieden. War das vorhersehbar, gibt es \u00fcberhaupt mit Sicherheit vorhersehbare Zust\u00e4nde f\u00fcr uns Menschen? Damit werden wir auf alle traditionellen Denkmuster der Philosophiegeschichte zur\u00fcckgeworfen. Gemeine Weisheiten in Spr\u00fcchen wie,&#8220;Wer entt\u00e4uscht ist, hat sich t\u00e4uschen lassen&#8230;&#8220; geben wenig Erkenntnisgewinn f\u00fcr die t\u00e4gliche Entscheidung, f\u00fcr das t\u00e4gliche Handeln. Die dr\u00e4ngendste Frage, die sich jedem Menschen stellt, ist die nach einer verl\u00e4sslichen Sicherheit auf der man sein Leben ausrichten kann. Diese Position ist das Einfallstor f\u00fcr religi\u00f6se Annahmen, die Geglaubtes absolut setzen, und wie wir aus blutiger Erfahrung wissen, institutionelle Machtanspr\u00fcche entwickeln. Religi\u00f6se Blutspuren sind kein Privileg des Islams, fast jeder religi\u00f6se Glaube hat seine dunklen Flecken. Das Christentum dieses Kulturkreises steht auf der Tradition von zum Teil gewaltsamer Ausbreitung. Deschners &#8222;Kriminalgeschichte des Christentums&#8220; (Rowohlt Verlag), ein indiziertes Buch, kann da als Eingangslekt\u00fcre herhalten. Wir brauchen uns in diesem Kontext nicht am Christentum abarbeiten, ist es eben nur eine, zumal heute schrumpfende, Ideologie. Man kann allgemein festhalten, das jede Ideologie zur Begr\u00fcndung von dissozialen Entwicklungen missbraucht werden kann. Wenn ein griechischer Philosoph postuliert,&#8220;..alle Menschen streben zum Guten, dann ist in diesem Ausspruch bereits das Dilemma angezeigt. Was ist denn das Gute, wenn es individuell interpretiert werden kann. Eigentlich kann das Gute, absolut \u00fcberhaupt nicht definiert werden, da es situations und personenabh\u00e4ngig ist. Ersetzen wir den Begriff das Gute mit dem Frieden, sind wir in der Aktualit\u00e4t. Doch Frieden hei\u00dft f\u00fcr einen Wahnhaften die Befriedung seiner wahnhaften Bed\u00fcrfnisse. Jeder wissenschaftlich arbeitende Psychiater wird nun best\u00e4tigen, dass die Befriedung wahnhafter Bed\u00fcrfnisse nicht zur Besserung oder gar zum Frieden aller beitragen kann. Kennzeichen des Wahnes ist das Bestehen einer \u00fcberwertigen Idee, eben das Geglaubte. Nun w\u00e4ren wir zu keiner rationalen Entscheidung f\u00e4hig, wenn wir keine Urteile f\u00e4llen w\u00fcrden. St\u00e4ndig m\u00fcssen wir zwischen wahr oder unwahr, richtig oder falsch entscheiden. Ein Philosoph in der Nachfolge Kants, Hans Vaihinger, hat ein bis heute beachtenswertes Werk hinterlassen, dass er in den Wirren des Ersten Weltkrieges entwarf und nach dem Ersten Weltkrieg ver\u00f6ffentlichte. Die &#8222;Philosophie des Als Ob&#8220;, das auch heute wieder zug\u00e4nglich ist. Vaihinger geht vereinfacht dargestellt, davon aus, dass wir immer nur mit einer Fiktionen handeln k\u00f6nnen. Der Punkt ist immer nur ein Punkt, bis ich ihn mit dem Brennglas betrachte. Trotzdem ist er f\u00fcr den praktischen Gebrauch zumeist ausreichend. Wir handeln so, als bes\u00e4\u00dfen wir damit einen absoluten Fixpunkt, wohlwissend, dass der eigentliche Punkt allenfalls in der sich uns darstellenden Fl\u00e4che liegt. So k\u00f6nnen wir im allgemeinen auch immer nur Aussagen treffen, die auf unseren bisherigen Erfahrungen beruhen. Alles andere bleibt Hoffnung. Damit soll aber kein Politiker entlastet werden, der blau\u00e4ugig einer Metaphysik der absoluten Gewaltlosigkeit folgte. So musste ein Minister, der selbst Philosophie studiert hat, den gro\u00dfen Irrtum bekennen, a priori einem Diktator vertraut zu haben. Es ist eine unserer menschlichen Grundschw\u00e4chen, dass wir immer gerne das glauben m\u00f6chten, was uns als s\u00fc\u00dfe Wahrheit begegnen soll. Diese Erkenntnis \u00fcber die menschliche Torheit wird nirgends literarisch sch\u00f6ner beschrieben, als bei Erasmus mit seiner Moria (dt. Titel: Lob der Torheit). Ein Buch was auch lange auf dem Index der herrschenden Kirche stand, die wir aber heute im Nachdruck in jeder Buchhandlung erwerben k\u00f6nnen. Es w\u00e4re der ironische Literaturhinweis f\u00fcr diese augenblicklich tr\u00fcben Stunden des Wartens \u00fcber die weiteren Entwicklung. Nicht ganz so einfach erh\u00e4ltlich ist das wegweisende Buch des bedeutenden deutschen Philosophen Karl Jaspers, &#8222;Die Atombombe und die Zukunft des Menschen&#8220;. Jaspers in der seinigen Zeit oft missverstanden wagte damals die Erkenntnis wiederzugeben, dass wir Kinder eines Schreckensgleichgewichtes waren. Mir ist nicht bekannt ob der \u00d6konom und Kanzler Schmidt, der in seiner Amtszeit mit der Pershing-Situation konfrontiert war, Karl Jaspers und speziell dieses gut lesbare Buch kannte. Schmidt handelte jedenfalls der Jasperschen Erkenntnis folgend, mit Aufr\u00fcstung, um ein drohendes Ungleichgewicht zu beseitigen. Heute steht die ohnehin durch Mitglieder- und W\u00e4hlerverlust gekennzeichnete SPD vor dem Dilemma, aus dem der Schulterschluss mit der politischen Opposition folgt. Parteiprogramme sind Tr\u00e4ger politischer Ideologien und es hat den Anschein die meisten m\u00fcssen neu geschrieben werden. Es ist unterhaltend, wenn in unserer vernetzten Zeit auf den Parteienforen Selbstfindungsdebatten stattfinden, bei denen sich nur zu oft die Unkenntnis der eigenen Wurzeln und Denker offenbart. Selten still ist es derzeitig um &#8222;Modephilosophen&#8220; und Vielschreiber geworden, g\u00e4lte es ja viel bisher zuvor verfasstes zu korrigieren. Und bei der praktischen Willensfindung sind idealistische Volumina wenig hilfreich. Derzeit schl\u00e4gt die Stunde der Erkenntnistheoretiker, Fiktionalisten und Existenzphilosophen. Mit Vaihinger, Jaspers, f\u00fcr viele, die ihn bisher als b\u00fcrgerlich verschm\u00e4hten eine Neuentdeckung wert, sowie Poppers Hinterlassenschaft, \u00a0k\u00f6nnte mancher auf die Praxis gerichtete politische Ansatz der Politik Hilfe finden. Wir stehen vor einer neuen Welt Struktur die nicht mehr auf den Ideologien und Religionen der Vergangenheit bauen kann. Wir werden mit der Erkenntnis fehlender absoluter St\u00fctzpfeiler Entscheidungen treffen m\u00fcssen, wissend, dass wir immer verletzbar bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans-Joachim Steinsiek, Chungju\/Korea, 7. M\u00e4rz 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind Zuschauer einer Entwicklung, die f\u00fcr die meisten Menschen unvorstellbar war. Die Weltgemeinschaft muss auf das Handeln eines Einzelnen, eines wahnhaft Besessenen reagieren. Wir erleben Politiker, die sich heute windend von erst gestern verk\u00fcndeten Weltbildern verabschieden. 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