{"id":1564,"date":"2021-05-26T15:52:16","date_gmt":"2021-05-26T15:52:16","guid":{"rendered":"http:\/\/die-erle.de\/?p=1564"},"modified":"2021-05-26T15:57:31","modified_gmt":"2021-05-26T15:57:31","slug":"verunreinigungen-im-astrazeneca-impfstoff-gefunden-proteine-koennten-qualitaet-des-vakzins-beeintraechtigen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/die-erle.de\/?p=1564","title":{"rendered":"Verunreinigungen im AstraZeneca-Impfstoff gefunden -Proteine k\u00f6nnten Qualit\u00e4t des Vakzins beeintr\u00e4chtigen"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ulmer Forschende haben Verunreinigungen im COVID-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca nachgewiesen. Konkret geht es um menschliche und virale Eiwei\u00dfe \u2013 darunter insbesondere so genannte Hitzeschock-Proteine. Ob diese Verunreinigungen die Wirksamkeit des Impfstoffs beeinflussen oder mit Impfreaktionen zusammenh\u00e4ngen, kann die Studie nicht beantworten. Die zun\u00e4chst auf einem Preprint-Server erschienenen Ergebnisse geben allerdings Hinweise, wie der Pharmakonzern seine Herstellungs- und Qualit\u00e4tssicherungsprozesse optimieren kann. Die Studie durchl\u00e4uft derzeit ein Review-Verfahren bei einem anerkannten Fachjournal.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Vakzin \u201eVaxzevria\u201c des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca handelt es sich um einen so genannten Vektorimpfstoff. Als Vektor dient ein f\u00fcr Menschen ungef\u00e4hrliches Adenovirus: Diese \u201eGenf\u00e4hre\u201c schleust ein Oberfl\u00e4cheneiwei\u00df des neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) in die k\u00f6rpereigenen Zellen. Im Zuge der darauf folgenden Immunreaktion werden Antik\u00f6rper gebildet, die Impflinge gegen COVID-19 sch\u00fctzen sollen. Kurze Zeit nach der Immunisierung mit \u201eVaxzevria\u201c (ChAdOx1 nCoV-19) treten bei Impflingen relativ h\u00e4ufig grippe\u00e4hnliche Symptome als Impfreaktion auf; in sehr seltenen F\u00e4llen entwickelten vor allem j\u00fcngere Frauen bis zu 16 Tage nach der Impfung lebensbedrohliche Sinusvenenthrombosen.<br>Vor diesem Hintergrund haben Forschende um Professor Stefan Kochanek, Leiter der <a href=\"https:\/\/www.uniklinik-ulm.de\/department-of-gene-therapy.html\">Abteilung Gentherapie der Ulmer Universit\u00e4tsmedizin<\/a>, drei Chargen des AstraZeneca-Impfstoffs mit biochemischen Methoden und Proteomanalysen untersucht. Neben Proteinen des adenoviralen Vakzins selbst fanden sie betr\u00e4chtliche Mengen menschlicher Proteine und auch regulatorischer viraler Proteine, die nicht Teil des Impfstoffs sind.<br><br>Um diese Verunreinigungen aufzusp\u00fcren, haben die Studienautorinnen und -autoren unter anderem mit Proteingelen und Silberf\u00e4rbungen gearbeitet: Konkret verglichen sie die F\u00e4rbemuster der AstraZeneca-Proben mit denen eines laboreigenen Vergleichsvektors (HAdV-C5-EGFP), der mittels Ultrazentrifugation aufgereinigt worden war. \u201eDas Bandenmuster im Proteingel hat sich in den beiden Proben deutlich unterschieden: Im Vergleich zu dem eigenen Adenovirus-Vektor wiesen die AstraZeneca-Proben deutlich mehr Proteinbanden auf, die nicht durch den adenoviralen Impfstoff erkl\u00e4rbar waren\u201c, erl\u00e4utert Professor Kochanek. Daraufhin wurde zun\u00e4chst der Proteingehalt der Vaxzevria-Impfstoffchargen bestimmt \u2013 mit eindeutigem Ergebnis. Der Proteingehalt pro Impfdosis lag deutlich \u00fcber den theoretisch zu erwartenden 12,5 \u00b5g \u2013 und in einer genauer untersuchten Charge betrug er sogar 32 \u00b5g.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Doch welche Proteine sind in dem AstraZeneca-Impfstoff in gr\u00f6\u00dferer Menge vorhanden? Um diese Frage zu beantworten, wurden massenspektrometrische Untersuchungen durchgef\u00fchrt. Im Ergebnis war mindestens die H\u00e4lfte der Eiwei\u00dfe menschlichen Ursprungs. Unter den humanen Proteinen, die aus der menschlichen Zelllinie zur Vektorproduktion stammen, fiel insbesondere die H\u00e4ufung so genannter Hitzeschockproteine auf. \u201eInsgesamt haben wir \u00fcber 1000 Proteine in den Chargen detektiert: Die Mehrzahl d\u00fcrfte keine negativen Auswirkungen auf Impflinge haben. Extrazellul\u00e4re Hitzeschockproteine sind jedoch bekannt daf\u00fcr, dass sie angeborene und erworbene Immunantworten modulieren und bestehende Entz\u00fcndungsreaktionen verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Sie wurden zudem auch schon mit Autoimmunreaktionen in Verbindung gebracht\u201c, erkl\u00e4rt Professor Kochanek. In weiteren Studien muss untersucht werden, inwiefern diese Protein-Verunreinigungen die Wirksamkeit des Vakzins mindern oder mit der oftmals starken Impfreaktion zeitnah nach der Injektion des Impfstoffes in den Muskel zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Pharmaindustrie gilt die m\u00f6glichst weitgehende Entfernung solcher Verunreinigungen aus biotechnologisch hergestellten therapeutischen Proteinen als ein sehr wichtiges Qualit\u00e4tsmerkmal. Im Fall des adenoviralen COVID-Impfstoffs von AstraZeneca reicht die Kontrolle mit den bisher verwendeten Standard-Nachweisverfahren offenbar nicht aus. Die Ulmer Forschenden empfehlen erg\u00e4nzende Methoden wie Gel- und Kapillarelektrophoresen sowie massenspektrometrische Untersuchungen. \u201eDie Vielzahl der gefundenen Verunreinigungen, von denen zumindest einige negative Effekte haben k\u00f6nnten, macht es n\u00f6tig, den Herstellungsprozess und die Qualit\u00e4tskontrolle des Impfstoffs zu \u00fcberarbeiten. Dadurch lie\u00dfe sich neben der Sicherheit wom\u00f6glich auch die Wirksamkeit des Vakzins erh\u00f6hen\u201c, so Professor Kochanek.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literaturhinweis:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lea Krutzke, Reinhild R\u00f6sler, Sebastian Wiese, Stefan Kochanek: Process-related impurities in the ChAdOx1 nCov-19 vaccine. Preprint- Research Square. DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.21203\/rs.3.rs-477964\/v1\">10.21203\/rs.3.rs-477964\/v1<\/a><br>https:\/\/www.researchsquare.com\/article\/rs-477964\/v1<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>(Steinsiek, \u00fc. Pm. Univ. Ulm, Abbildung: Abteilung f\u00fcr Gentherapie\/M. Krutzke)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulmer Forschende haben Verunreinigungen im COVID-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca nachgewiesen. Konkret geht es um menschliche und virale Eiwei\u00dfe \u2013 darunter insbesondere so genannte Hitzeschock-Proteine. Ob diese Verunreinigungen die Wirksamkeit des Impfstoffs beeinflussen oder mit Impfreaktionen zusammenh\u00e4ngen, kann die Studie nicht beantworten. 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