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Katholische Kirche auf neuen Wegen?

Nahe Kenner des Papstes gaben sich heute überrascht. Man wußte zwar, daß dieser keine Angst vor ungewöhnlichen Schritten hat, eine 700-jährige Gewohnheit aber mit einer lapidaren Erklärung der altersadäquaten Schwächung zu brechen, brachte Erstaunen. Formale Huldigungen, mediale Rückschau, ein Papst, der nicht uneingeschränkt Zustimmung fand und der besondere nationale Bezug, konkurrierende Themen an einem Rosenmontag. In einer Zeit, in der die öffentliche Aufmerksamkeit mehr den Negativa kirchlicher Skandale und Haltungen gilt und bischöfliche Verfolgungsgefühle selbst nicht vor der Vokabel Progrom zurückschreckten, könnte sich der Zeitpunkt des päpstlichen Rückzugs auch als ein Hinweis auf die kommende Entwicklung der Katholischen Kirche erweisen. Der in Kürze zu wählende Nachfolger wird eine schwere Hypothek zu tragen haben. Eine polarisierte Kirche, die sich vor den Problemen der Welt zum fundamentalistischen Rückzug dirigieren ließ. Eine Welt, die Kirche zunehmend kritischer und distanzierter wahrnimmt. Die Institution Katholische Kirche ist in einer gewaltigen Wandlung begriffen, denn die multikulturelle Anhängerschaft verharrt nicht im blinden Gefolge. Die öffentlich gewordenen Skandale waren nicht nur ein Phänomen hier in Europa, in zeitlicher Folge zeigten sich die Schwachstellen des Systems Kirche auf allen Kontingenten. Die nun aufgeworfenen Fagen werden nicht verstummen und nicht mit dem Rückgriff auf fundamentale Glaubenspositionen zu beantworten sein. Dieser Papst war argumentativ in der Falle. Ein Ausbruch im Detail, wie beim bischöflichen Einlenken in der jüngsten Vergewaltigungsdebatte, wäre aus der römischen Zentrale nicht zu vermitteln gewesen. Für die Gläubigen bleibt oft nur noch die Bestimmung des Zeitpunkts der individuellen Reißleine und Abkehr. Das System nimmt Zuflucht in der Gläubigkeit in Übergangsgesellschaften und läßt die Staaten der "Alten Welt" ohne zeitgemäße Antworten zurück.
Und doch ist Benedikts Abgang irgendwie menschlich. Die Anerkennung des persönlichen Abbaus und der eigenen Endlichkeit, der Begrenztheit allen menschlichen Tuns, macht diesen Menschen wiederum sympathisch. Eine Milliarde Menschen mit Erwartungen sind nicht ewig auf eine Person zu zentrieren. "Wir sind alle...", es war für die Deutschen eine Enttäuschung. Ein Eingeständnis der großen Schuld war nicht mehr vom System zu deckeln. Irdische Kategorien der Moral werden zum Maßstab in der Klage gegen die Kirche. Aussitzen und tradierendes Leben in alten Regeln ist nicht mehr zu vermitteln. Die Maßstäbe für den Nachfolger sind hoch gesteckt. Nicht einmal die Einheit des Systems kann als sicher gelten. Ökumene ist heute bereits zu einem verwaschenen Nebeneinander verkommen. Das Psychogramm des Nachfolgers wird nach seinem Erscheinen sogleich mit den bekannten Fragestellungen untersucht. Raum für den individuellen Schwerpunkt kann da nur mühsam erkämpft werden, wenig Raum für einen Nachfolger.

(stk.)

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Zwischen Krieg und Ratlosigkeit

Dieser Krieg hat schon zuviele Todesopfer gefordert. Und wenngleich in den Minuten dieses Kommentars vorsichtige Hoffnungen auf eine Feuerpause in den Medien verbreitet werden, geht der Krieg auf einer anderen Ebene weiter. Von Beginn der gezielten Auseinandersetzung an tobt eine massive Schlacht in den Medien. Niemand vermag derzeitig sagen, ob es überhaupt einen Friedenswillen zwischen den Parteien gibt, die bekundeten Bereitwilligkeiten sind grundsätzlich an maximale Forderungen geknüpft, die einem sachbezogenen Dialog im Wege stehen.

Derzeit üben sich beide Konfliktparteien in einer erklärenden Begründung ihres Verhaltens, das bereits unstillbares Leid verursacht hat. "Kollateralschäden" auf der einen Seite, vermeintlich begründete Befreiungsschläge von der Gegenseite, die Begriffe des Tötens sollen moralisch begründet sein und die Rechtfertigung für weiteres Verhalten einer breiten Öffentlichkeit vermitteln.

Es gibt aber kleine Unterschiede in der Art der Kriegspropaganda. Während die Hamas durch Anhänger in den Sozialen Netzen mit sehr brachialen Bildern auffällt und gleichzeitig mit Opferbildern für ihre Ideen streitet, ist bei den israelischen Veröffentlichungen die Handschrift von Psychologen lesbar.

Ob es die in Facebook übliche "Gefällt mir" Reaktion ist, oder der direkte vergleichende Bezug zwischen den Ländern ("Vergleiche mit Berlin"), psychologisch soll der Leser in das Geschehen einbezogen werden. Die moralische Verbrüderung mit einer Konfliktpartei ist das Ziel, um im Falle einer Ausweitung der Kriegshandlungen eine vorweg genommene Meinungsbildung auf seiner Seite zu wissen. Die aktuelle schnelle Teilhabe am Geschehen in den Medien dient ebenfalls der emotionalen Verbrüderung. Der Krieg, dem man aus dem Wohnzimmer beiwohnen kann und der von uns nicht mehr fordert, als die eigene Erlebniswelt mit dem Geschehen dort in der Ferne in Einklang zu bringen. CNN zeigt eine große Gegend in Gaza City mit Rauchsäulen nach verschiedenen Explosionen, ziemlich sicher, daß gerade in diesem Moment Menschen zu Schaden gekommen, oder gar ihr Leben verloren, begleitet uns eine sonore Stimme, die von der Situation her auch zu einer Stadtführung passen würde.

Die Frage nach den Ursachen, oder einer Lebensweise nach dieser erneuten blutfordernden Auseinandersetzung wird allerdings auch gestellt. Einen europäischen Konsenz zur Befriedung der Nahost-Region gibt es jedenfalls nicht, sieht man von der Forderung nach einer Waffenpause einmal ab.

In Schweden fordern Sozialdemokraten gar ein entschlosseneres Vorgehen gegen Israel und versuchen lautstark die völkerrechtliche Anerkennung von Palästina zu erreichen.

In Deutschland gehen vermehrt Religionsgemeinschaften auf die Straßen. Hier fällt Kritik an der stärkeren Konfliktpartei schon aus historischen Gründen sehr verhalten aus. Gleichwohl versuchen kleine Gruppen Politiker zu Stellungnahmen zu drängen. In Essen, einer Partnerstadt von Tel Aviv,  versucht eine Gruppe den Oberbürgermeister zu einer Stellungnahme und damit auch zu einer Parteinahme zu zwingen. Lokale Medien sind bei solchen Ereignissen gerne bereit , den Raum für solches Ansinnen zu stellen. Die Meinungsbildung wird auf diese Weise auf die Alternation eines Ja oder Nein reduziert.

 

Ob es gelingt die Walze des Todes zu stoppen und dem Anliegen des Philosophen Popper, "lasst Ideen, aber nicht Menschen sterben" zu entsprechen, haben nur die Konfliktparteien in den Händen. Ein dauerhafter Frieden ist unter den gegenwärtigen Bedingungen kaum zu erwarten.

(stk., Fotos: Bildschirmaufnahmen Facebook)

Anmerkung der Redaktion: Die Fotoauswahl, die nur eine Konfliktpartei darstellt ist lediglich der Tatsache geschuldet, daß diese mit einem stärkeren Organisationsgrad hier ins öffentliche Bewußtsein dringt. Palästinensische Botschaften finden sich in den Sozialen Medien in großer Menge, darunter auch gewaltverherrlichende und schmähende Darstellungen, zu deren weiterer Verbreitung wir nicht beitragen wollen..

 

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Alles kompatibel? Der Präsident des EU-Parlaments behauptet es.

Der Präsident des EU-Parlamentes, Martin Schulz, verbreitet Zuversicht. Auf seiner Netzseite bei Facebook (s. o.) findet sich eine Feststellung, die Aufhorchen lässt. "Unsere Werte und der Islam sind nicht inkompatibel, aber wir haben viel daran zu arbeiten, grundsätzliches Verstehen und Respekt zu erreichen." Ist diese Hoffnung berechtigt?

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Papst sucht rechtlichen Schutz bei einem deutschen Gericht

Papst fühlt sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und sucht bei einem irdischen deutschen Gericht Schutz. Für viele Leser der Gazetten ist dies allein schon Satire, denn der "Staatschef" des Vatikans tritt vor dem Landgericht Hamburg gegen ein Satiremagazin an. Erzbischof Angelo Becciu vom Vatikanischen Staatssekretariat übermittelt den päpstlichen Klageauftrag gegen das Magazin Titanic an die Bonner Rechtsanwaltskanzelei Gernot Lehr, hochrangige Beachtung für ein kleines Satireperiodikum...

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Es geht also doch...

Eurobonds will heute in Deutschland keiner. Zumindest zukünftig nicht mehr...