Vorsicht bei neuen Windows 8 - Rechnern

Microsoft weist PC-Handel an, neu auszuliefernde Rechner mit dem gerade auf den Markt kommenden System Windows 8 mit einer Bios-Sperre zu versehen, die den parallelen Betrieb mit anderen Betriebssystemen unmöglich macht.
Es tobt ein erbitterter Kampf der Systeme im IT-Markt, unter dem Microsoft empfindlich leidet. Apples, Androit und natürlich die Linuxszene haben in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte in ihren Segmenten machen können. [fn:1]
Insbesondere hat die freie Szene der Linux Gemeinden wegen des massenhaft kostenfrei zur Verfügung stehenden offenen Softwareangebots immer mehr Zulauf erfahren. Eine Gefahr für die von kostenpflichtigen Veränderungen lebenden IT-Multis. Der Schluß, daß der leichte Zugang gerne unterbunden, oder erschwert würde, liegt nahe.
Konkret gibt es ab Windows 8 eine neue Richtlinie von Microsoft, die durchaus unter diesem Gesichtspunkt verstanden werden könnte. Wer beispielsweise in den letzten Tagen bei der Firma Medion einen der ersten ausgelieferten PCs mit dem Microsoft "Kachelsystem" Windows 8 erstanden hat, wird eine böse Überraschung erleben, sollte er ein weiteres Betriebssystem parallel installieren wollen. [fn:2]
Das Bios der neuen Rechner ist nämlich so eingestellt, daß erst gar keine anderen Systeme aufgespielt werden können, ohne Windows 8 zu verlieren. Wir fragten bei der Firma Medion über dessen Servicenetz nach und erhielten eine interessante Beantwortung:
"Da es ab Windows 8 eine neue Richtlinie seitens Microsoft gibt, ist es nicht mehr ganz so einfach, ein anderes bzw. ein weiteres Betriebssystem auf dem PC bzw. Notebook zu installieren.
Microsoft bittet darum, dass ein PC bzw. ein Notebook mit dem sog. Secure Boot Modus ausgestattet ist, sofern man den PC bzw. das Notebook mit Windows 8 ausliefert. Der Secure Boot Modus hat den Vorteil, dass der Produkt Key für Windows 8 im Bios abgelegt ist und bei einer Neuinstallation nicht mehr abgefragt wird. Daher finden Sie auch keinen Produkt Key mehr auf der Unterseite eines Notebooks bzw. der Rückseite eines PC´s.
Diese Einstellung im Bios lässt es jedoch nicht zu, dass man ein weiteres bzw. ein anderes Betriebssystem auf dem Gerät installieren kann."
Eigentlich sollte man erwarten, daß der Hersteller Medion seine Kunden im Vorfeld von dieser elementaren Abhängigkeit Kenntnis gibt. Doch dies ist bisher nicht geschehen. Dafür erhält der nachfragende Kunde folgendes Hilfsangebot:
"Gerne teile ich Ihnen nun die notwendigen Änderungen im Bios mit, damit Sie Ihr Vorhaben vollziehen können.
Starten Sie Ihr Notebook durch Drücken der Taste " F2 " ins Bios. Halten Sie beim Start des Notebooks die Taste " F2 " solange gedrückt, bis Sie das Bios auf dem Bildschirm sehen können.
- wählen Sie den Eintrag " Security " aus
- wählen Sie den Eintrag " Secure Boot " aus
- wählen Sie dann " Disabled " aus
- wählen Sie nun den Eintrag " Main " aus
- wählen Sie danach den Eintrag " Boot Type " aus
- wählen Sie nun den Eintrag " Dual Boot Type " aus
- wählen Sie nun den Eintrag " Exit "aus
- wählen Sie nun den Eintrag " Save Changes & Exit " aus
Nun ist Ihr Notebook bereit, ein weiteres bzw. ein anderes Betriebssystem zu installieren. Bitte beachten Sie, dass durch diese Einstellung das derzeit vorinstallierte Windows 8 nicht mehr startet. Es bedarf also einer Neuinstallation von Windows 8.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir weiterführenden Support für die Installation eines weiteren bzw. eines anderen Betriebssystems nicht über unseren Garantiesupport leisten können.
Sollten Sie dennoch die Installation eines alternativen Betriebssystems durchführen wollen, so können Sie sich bei Fragen hierzu gerne an unseren Premium-E-Mail Support wenden. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir keine Unterstützung, Treiber oder sonstige Downloads für Hard- oder Software von Drittanbietern im Rahmen unserer Garantie- oder Gewährleistung anbieten können.
Für nur 4,99 € bieten wir Ihnen auch bei Fremdgeräten und Fremdsoftware einen kompetenten Ansprechpartner. Unser Expertenteam freut sich auf Ihre Anfrage und wird Ihnen bis zu viermal antworten."
Also der Hinweis auf einen alternativen Weg, der aber mit dem Verlust des weiterführenden Supports einhergeht und knappe 5 Euro für maximal vier Nachfragen bietet.
Wir werden gespannt auf das Verhalten von Verbraucherschützern achten und über den weiteren Verlauf dieser Entwicklung berichten. Derzeit sollte sich jedenfalls jeder Kaufinteressent dreimal überlegen, ob er grundsätzlich bereit ist, auf die vielfältigen Freiheiten und Angebote alternativer Betriebssysteme zu verzichten, zumal Windows 8 vielen Experten noch nicht ein bedenkenloses Nicken abringen kann.
Wir werden dieses Thema weiter verfolgen und Ihnen in Kürze Empfehlungen zur Systembetriebswahl veröffentlichen.
(stk., Fotos: Erle, Armin Thiemer, Zitate: Auszüge aus einer Anfrage an die Firma Medion Essen.)
* Fußnoten:
[fn:1] Letzteres, Linux hat sich mittlerweilen vom ehemals vornehmlich von Experten beschrittenen Pfaden hin zu einem überaus verbraucherfreundlichen, einfach zu bedienenden Systemangebot entwickelt.
[fn:2] Bisher gelang es problemlos mit einem weiteren System, z. B. Ubuntu, eine parallele Betriebsstruktur aufzubauen. Damit standen den Benutzern zwei PCwelten zur Verfügung, in der die Linuxebene eigentlich alle relevanten Bedürfnisse mit kostenfreien und regelmäßig gewarteten Programmen abdeckte. Auch waren in der Vergangenheit diese Systeme weniger von Schadmeldungen betroffen.


